Johannes Klomann (SPD): Die rätselhafte Magisterarbeit

Wenn ich mich gruseln will, gehe ich entweder auf die Kirmes und löse ein Ticket für die Geisterbahn oder ich besuche den Twitterkanal meines liebsten Linkslautsprechers, Alexander Schweitzer von der SPD hier in Rheinland-Pfalz. Da wird man immer fündig, es kostet nichts (außer Nerven) und man muss nicht warten, bis irgendwo wieder Jahrmarkt ist.

Besonders peinlich an Schweitzers Auftritt sind neben seinem dümmlichen und penetranten Draufprügeln auf die vermeintlich „Rechten“ seine ebenso penetranten Lobhudeleien oder nachgerade zwanghafte Erwähnung der eigenen Leute. Unlängst ging das so:

Quellenangabe gem. §51 UrhG: https://twitter.com/SPDFraktionRLP/status/1161604226637807617

Wer ist nun dieser Herr Klomann, der Vorsitzender des Wissenschaftsausschusses werden soll? Welche Disziplin vertritt er, was ist seine akademische Reputation? Wo hat er geforscht, promoviert, gelehrt etc.? Fragen über Fragen.

Seine Webseite johannes-klomann.de gibt nicht viel her, da war wohl (wie bei der SPD üblich) eine „Fachkraft“ am Werk:

Auf den Seiten des Landtags Rheinland-Pfalz klappt es auch nicht auf Anhieb. Auch hier waren wirkliche „Fachkräfte“ zugange:

Über die Abgeordnetensuche der Landtagsseiten wird man dann endlich fündig. Unter „Werdegang“ des Herrn Klomann steht folgendes zu lesen:

Her Klomann hat offenbar studiert, aber ich lese nichts von „Abschluss“. Die Formulierung, die er verwendet, ist gut bekannt und deutet nämlich mal wieder darauf hin, dass hier zum xten Male ein Studienabbrecher in die Politik gewechselt ist, wo eine Formalqualifikation wenig, ein großes Mundwerk hingegen sehr viel zählt.

Also frage ich nach, zwecks Erhellung des Sachverhaltes. Und zwar auf Twitter, wo der Beitrag der Landtagsfraktion der SPD eingestellt war in welchem der berufliche Aufstieg des Herrn Klomann thematisiert wurde. Und die Antwort kam recht zügig:

„Oha, die Behauptung ist ja frech!“, dachte ich mir. Eine Nachfrage nach seiner Magisterarbeit mit der ein philologisches Studium früher abgeschlossen wurde, war der nächste Schritt. Man will es ja genau wissen.

Natürlich kam keine Antwort. Also begann ich zu recherchieren. Die Suche „johannes klomann magisterarbeit“ brachte zwar keine Referenz auf die Arbeit, aber einen interessanten Fund.

Im Jahre 2017 hat ein Jonathan Roth an der Uni Mainz eine Dissertation eingereicht, die betitelt ist „An der Basis der Politik“ und in der Klomann ein Kapitel gewidmet ist. (Link: https://t.co/8z4CCT8oSR?amp=1). Nebenbei bemerkt ein Werk, ob dessen weitestgehend anekdotischem und unwissenschaftlichen Charakters man sich schon wundert, wie heute Doktortitel vergeben werden. Aber das ist ein anderes Problem.

In der Arbeit wird Klomann gleich ein ganzes Kapitel gewidmet. Scheint ein Spezl des Autors zu sein. Im Text heißt es auf S. 14:

Nebenher versucht er, sein Anglistik-Studium mit einer
Magisterarbeit zum Thema „Thatcherism in English Literature“ abzuschließen.

Er „versucht“ es, sein Studium „abzuschließen“? Wie bitte? Jetzt wird es wirklich schräg, zumindest von der zeitlichen Abfolge her. Laut Landtagsseiten studierte Klomann von 1996 bis 2001 an der Uni und versucht dann um das Jahr 2014 immer noch, eine Magisterarbeit zu verfassen? Hä? Wie soll das gehen? Das dürfte wohl die längste Magisterarbeit selbst im Land der „ewigen Studenten“ sein. OK, wir hatten einen an der Uni, der hat auch 25 Semester Physik studiert. Aber da setzt Klomann noch einen drauf. Wenn auch knapp.

Jetzt könnte man ja vermuten, dass das Interview sehr viel älter ist, aber nichts da. Der Autor gibt an, Klomann im Mai 2014 getroffen zu haben:

Der 24. Mai 2014 ist ein frühsommerlicher Samstag, der die Menschen in Mainz
noch am Abend an das Rheinufer lockt.

[…]

Am Abend des 24. Mai sitze ich im Biergarten Planke Nord auf klobig gezim-
merten Bänken aus Europaletten, zusammen mit Johannes Klomann, dem Vorsit-
zenden des SPD-Ortsvereins Gartenfeld-Neustadt,

(ebd. S. 13)

Für mich eine harte Erkenntnis, eindeutig das falsche Fach studiert zu haben (allerdings mit Abschluss!). Während der Physiker über dem Vierten Hauptsatz der Thermodynamik verzweifelt („Der Kaffee ist kalt, dafür aber das Bier warm.“) sitzt der Geisteswissenschaftler mit einem Kumpel im Biergarten, zieht sich die Hucke voll und promoviert nebenbei. Meine Güte, wie war ich doof bei der Wahl des Studienganges!

Aber zurück zur SPD und zur „Causa Klomann“: Auf den Sachverhalt angesprochen und um Antwort gebeten war seitens der SPD-Fraktion im Landtag Rheinland-Pfalz Funkstille:

Und wenn man dann noch zum Abschluss das Thema von Klomanns angeblicher Magisterarbeit in Google eingibt, um evtl. Fundstellen abzuklappern, erhält man…NICHTS. Gut, Magisterarbeiten sind nicht häufig veröffentlicht worden aber zu Klomanns angeblicher Abschlussarbeit ist eben rein gar nichts zu finden.

Tja, nun wüsste ich wirklich gerne, ob der neue Vorsitzende des Wissenschaftsausschusses im Landtag von Rheinland-Pfalz ein abgeschlossenes Studium vorzuweisen hat oder nicht.

2 Kommentare zu „Johannes Klomann (SPD): Die rätselhafte Magisterarbeit

  1. Fritz

    Wer hat uns verraten – Sozialdemokraten!!!

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  2. […] Vor einigen Monaten hatte ich über die interessanten Ergebnisse zu einer angeblichen Magisterarbeit des SPD-Mannes Johannes Klomann von der Mainzer SPD berichtet (Link). […]

    Liken

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