„Private Arbeitsvermittlung“ Alexander Schweitzer: Es bleibt in der Familie

Wenn man sich mit der SPD in Rheinland-Pfalz beschäftigt, kommt ein Vorgang immer wieder hoch. Ein mittelprächtiger Skandal, der ein bezeichnendes Licht darauf wirft, wie Politik korrumpierbar geworden ist und wie Macht letztlich missbraucht werden kann. Die ganze Story in kurzer Form:

Im Jahre 2014 muss irgendetwas den damaligen Sozialminister der SPD geritten haben, das sich rational nicht erklären lässt. Es begab sich folgender Sachverhalt: Alexander Schweitzer, damals Sozialminister in der Mainzer Landesregierung, wollte seinem Schwager Christian H., ebenfalls bei der SPD, Stadtrat in Bad Bergzabern und Vorsitzender des dortigen SPD-Ortsvereins bei der Jobsuche ein klein wenig unter die Arme greifen. Der Schwager suchte wohl neue Entwicklungsmöglichkeiten als Lagerist und beim Klinikum in Klingenmünster war gerade eine entsprechende Stelle frei.

Das brachte Schweitzer auf die geniale Idee, der Bewerbung doch mal etwas, sagen wir mal zurückhaltend, „Nachdruck“ zu verleihen. Denn das Klinikum lag damals im Streit mit der Landesregierung, weil es um Gelder ging. Herr Schweitzer setzte sich also flugs ans Telefon und rief mal eben bei der Klinikleitung in Klingenmünster an. Vermutlich in der Hoffnung, dass dort alle die Hacken zusammenreißen, wenn der Herr Minister aus Mainz mit einem Gesprächswunsch aufwartet.

Leider ging das gründlich daneben. Denn anstatt sofort den Arbeitsvertrag für den Schwager unterschriftsreif auszufertigen (ganz nebenbei sollte das Salär des Herrn H. 3000 statt 2000 Euro betragen, was wohl der Tariflohn gewesen wäre) wandte sich der Mann von der Klinikleitung an die Presse. Damit war der Skandal perfekt.

Schweitzer geriet unter Druck und musste sich im Landtag erklären, wobei er wieder eine ganz schlechte Figur machte. Aber das war fast nicht anders möglich. Denn wie will man aus so einer Nummer eigentlich wieder rauskommen? Gut, er hätte sagen können: „Das war saudumm, ich habe Mist gebaut, ich trete zurück.“ Aber wer will schon von der Macht lassen, die man sich so schwer erarbeitet hat? Denn die Ochsentour durch die Parteiebenen der SPD ist bestimmt kein Zuckerschlecken. Da muss am Ende die Rendite stimmen und da tritt man nicht einfach so zurück. Die Zeiten sind nun wirklich vorbei.

Also trat Herr Schweitzer auf das Podium und begann zu erklären. Wortreich. Sehr wortreich. Seine Einlassungen waren indes so derartig dumm formuliert, dass man wirklich am Verstand des Herrn erste Zweifel entwickeln durfte. Er trug u. a. vor, er habe mit dem Anruf „die Bewerbung seines Schwagers“ weder behindern noch befördern wollen. Gut, Kopfschütteln und ungläubiges Staunen seitens des Lesers dürfte hier eine eher etwas untertriebene Antwort gewesen sein. Nein, Herr Schweitzer wollte einfach mal wieder nett am Telefon plaudern und um den Schwager ging es wohl nur so nebenbei.

Letztlich trat Schweitzer dann doch bald zurück und wurde mit dem Posten des Fraktionsvorsitzenden entschädigt. Inklusive dickem Dienstwagen (wie man hört einer Ingolstädter Nobelmarke) und üppigen Bezügen. Der Schaden für den Politiker aus der Südpfalz hielt sich also in Grenzen. Jemand wie Schweitzer fällt in der Regel weich.

Fazit: Der Vorgang zeigt exemplarisch, wie stark der Rote Filz in diesem Bundesland ausgeprägt ist, wie skrupellos sich die Altparteien das Land zur Beute gemacht haben und wie ruchlos man meint, eigene politische Macht (die einem nur auf Zeit verliehen wurde!) zur persönlichen Bereicherung missbrauchen zu können. Vetternwirtschaft ist dabei kein Problem, denn es bleibt ja schließlich in der Familie.

Ein Kommentar zu „„Private Arbeitsvermittlung“ Alexander Schweitzer: Es bleibt in der Familie

  1. […] Ticket für die Geisterbahn oder ich besuche den Twitterkanal meines liebsten Linkslautsprechers, Alexander Schweitzer von der SPD hier in Rheinland-Pfalz. Da wird man immer fündig, es kostet nichts (außer Nerven) […]

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